Anna, Mitte 40, hat zwei Geschwister und jedes Treffen ist ein Minenfeld.
Mein Bruder sagt, er sei immer zu kurz gekommen und ich hätte alles in den Schoss gelegt bekommen. Meine Schwester inszeniert sich als leidende Stütze: kranker Mann, senile Mutter, Kinder ausser Rand und Band. Die Stimmung kippt bei jedem Treffen schnell. Ich wäge jedes Wort ab. Es ist wie in einem emotionalen Minenfeld.
«Ich habe mich sehr in Frage gestellt. Warum nur gehe ich jedes Mal mit einem Schweissgefühl nach Hause .»
Anna schlucke leer, sagte, dem Frieden zuliebe nicht was ich denkt und dennoch endet es nicht selten im Streit oder darin, dass ich mich schlecht fühle. «Ich habe das Gefühl, egal was ich sage es ist falsch. Also schweige ich und platzte später zuhause.»
Bei meia habe ich geübt mich abzugrenzen, ohne zu werten und das Drama der anderen nicht persönlich zu nehmen. Statt zu erklären und mich zu rechtfertigen, lernte ich kurze, aber klare Ich Sätze zu formulieren.
- Ich höre, dass du viel um die Ohren hast.
- Ich danke dir, dass du mit der Mutter zum Arzt gefahren bist.
- Am Montag fahre ich mit der Mutter in die Therapie.
- Deine Vorwürfe verletzen mich.
"Ich muss das Drama nicht mehr austragen um Haltung zu zeigen."
Heute plane ich die Treffen mit meinen Geschwistern so, dass ich danach noch für mich allein Laufen gehen kann. Ich schreie in den Wald, ich boxe vor mich hin, manchmal weine ich und powere mich aus. Dann kann ich mit guten Gefühlen nach Hause.
Ich habe gelernt, dass meine Geschwister nicht meine Freunde sind, das waren sie noch nie und das ist ok so. Zu unterschiedlich sind wir, aber wir sind Familie und das hat auch etwas sehr Schönes. Mein Bruder lade ich nun öfter ein, um mir handwerklich zur Hand zu gehen. Wir schätzen beide diese gemeinsame Zeit.
Wir streiten uns immer noch, meine Geschwister und ich, aber weniger häufig und weniger heftig. Am wichtigsten ist, dass ich mich inzwischen besser fühle. Ich weiss jetzt, was ich machen kann, wenn es mir nach einem Treffen schlecht geht und ich ich weiss, dass ich meine Geschwister nicht ändern kann und sie sich wohl auch nicht ändern werden, jedenfalls nicht wegen mir.

Hans (Montag, 24 November 2025 09:30)
Oje ich sorge mich heute schon auf das weihnachtliche Treffen mit meinen 5 Geschwistern. Mehr Gelassenheit und Toleranz würde uns allen gut tun.